Interview mit dem Iron Sky-Regisseur Timo Vuorensola
21. Nov 2012 von Christoph Kaufmann
Auf der diesjährigen Berlinale wurde der Film “Iron Sky” als Bester Europäischer Film 2012 und als Gewinner des Publikumspreises ausgezeichnet. Weltweit genießt der geniale Independent-Film bereits Kultstatus.
Nun erscheint endlich das Buch und eBook zum Film.
Susanne Döpke sprach mit dem Regisseur des Kultfilms:
Woher stammt diese Idee mit den Nazis eigentlich, die auf der dunklen Seite des Mondes warten, um ein Viertes Reich zu gründen. Du hast erzählt, dass ein Freund von dir in der Sauna darauf gekommen ist – wart ihr besoffen?
Ja, ich glaube, wir hatte ein paar Biere getrunken, aber nicht so viele. Wir haben uns einfach nur einen netten Saunaabend nach einem langen Drehtag gemacht, ein bisschen mit Ideen herum- gespielt und überlegt, was ein toller Film sein würde. Von da an hat es sich über Jahre weiterentwickelt, bis wir die Geschichte gedreht haben.
Wie lange hat es von der Idee an gedauert, bis ihr den Film auf der Berlinale präsentiert habt?
Die Idee hatten wir irgendwann 2005, haben aber erst 2006 angefangen, wirklich daran zu arbeiten. Also würde ich sagen: sechs Jahre.
Die Premiere im Friedrichstadtpalast war ein großer Erfolg. Wie ging es dir, als du die ersten Lacher aus dem Publikum gehört hast – und den Riesenapplaus am Ende?
Ganz ehrlich, mir war zum Kotzen zu Mute (lacht). Das war so eine große Erleichterung, dass diese sechs Jahre des unter Druck Stehens und harter Arbeit mit den ersten Lachern aus dem Pub- likum bezahlt wurden. Auch die weiteren Reaktionen den ganzen Film hindurch, das war einfach fantastisch.
Hast du dir diesen Erfolg je erträumt, als du noch ein Star Trek-Fan warst, der eine Parodie gedreht hat?
Absolut nicht. Ich hatte absolut keine Ahnung, was für eine große Sache Iron Sky werden würde.
Du hast dir eine ziemlich treue Community aufgebaut, die dir geholfen hat, den Film zu finanzieren. Wie bist du darauf gekommen, diese Quelle anzuzapfen und wie hast du mit den Fans während der Produktionszeit kommuniziert?
Das war sehr leicht. Ich bin ein ziemlicher Computer-Geek und das kam alles sehr organisch. Ich spreche gerne über das Internet mit Leuten über mein Projekt, das war also alles von Anfang an vorhanden.
Um jetzt mal über den Film zu sprechen: Ich habe eine Menge Referenzen erkannt – angefangen von Götz Ottos Figur, die mit der Raumausrüstung aussieht wie Darth Vader, die Musik, die an einer Stelle klingt wie das Darth-Vader-Thema, das Raumschiff George W. Bush, dass sehr nach Star Trek aussieht … Das war natürlich Absicht. Was habt ihr noch verwendet und warum?
Wir haben den Film mit allen möglichen Pop-Kultur-Referen- zen versehen. Angefangen von Charlie Chaplins Der große Dik- tator bis zu Der Untergang und zahlreichen SciFi-Klischees. Es war toll, diese vielen kleinen Dinge hinzuzufügen, die ich schon immer geliebt habe und mit denen ich aufgewachsen bin.
Welche Szene ist deine liebste?
Ich bin wirklich sehr zufrieden mit der Szene, in der Renate und Washington sich zum ersten Mal in Dr. Richters Vernehmungs- raum treffen. Da gibt es einige sehr gute charakterdarstellerische Momente, einen tollen Spannungsbogen und ein paar wirklich gute, wunderschöne Perspektiven.
Wie wichtig war das Casting für den Film?
Das war geradezu irrwitzig wichtig. Die Hauptdarsteller haben die Geschichte mindestens genauso geformt wie das Drehbuch selbst. Ohne sie wäre es ein vollkommen anderer Film gewor- den.
Die Hauptdarstellerin Julia Dietze sagte, dass sie Schwierig- keiten mit den Szenen hatte, in denen sie die knallharte Nationalsozialistin spielen musste. Wie bist du als Regisseur mit diesen Berührungsängsten umgegangen?
Wir sind diese Szenen sorgfältig mit Julia durchgegangen und haben diese Probleme angesprochen. Ich glaube, dass wir nach einiger Zeit eine gute Art gefunden haben, diese Ängste anzusprechen. Es gehörte Mut dazu, sich in diese Rolle hineinzuver- setzen.
Hat sich das Script vom Beginn der Dreharbeiten bis zum Ende sehr verändert?
Ziemlich. Wir mussten ein paar Dinge während des Verlaufs än- dern. Wir hatten große Produktionsprobleme und mussten eini- ge Szenen streichen und einige Charaktere ein bisschen verän- dern. Generell sind wir aber die ganze Zeit auf Kurs geblieben. Ich habe den Schauspielern etwas Freiraum für Improvisation gelassen und das ist von Vorteil, wenn man in einer Sprache ar- beitet, die nicht die eigene Muttersprache ist.
Wir danken dir für das Gespräch.
Das eBook “Iron Sky” ist unter www.beam-ebooks.de/ebook/38072 zum Preis von 7,99 EUR erhältlich.
Quelle:
Susanne Döpke / www.sf-radio.net – eure tägliche Portion SciFi & Fantas
