Krimi zu Fußball WM: Jürgen Klinsmann in Gefahr?
25. Apr 2006 von Christoph Kaufmann
Was hat Kommissar August Häberle mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu tun? Ein Jahr vor dem Großereignis hat ein Mord die Vorfreude getrübt. Und weil das Verbrechen ausgerechnet an einer Sportstätte verübt wird, an der Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Jugendlicher das Fußballspielen gelernt hat, nämlich in Geislingen an der Steige, sind Sportfunktionäre und sogar Politiker aufgeschreckt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass der Tote in eine Angelegenheit eingeweiht war, die bis in die Berliner Politik hinaufreicht, wo zu diesem Zeitpunkt bereits die vorgezogenen Neuwahlen für den Bundestag für Schlagzeilen sorgten.
Autor Manfred Bomm versteht es wieder trefflich, aktuelles Tagesgeschehen in eine Geschichte einzubinden, in der Macht, Wirtschaft, Politik und Beziehungskrisen eine Rolle spielen. Mit seinen zeit- und sozialkritischen Dialogen bezieht er die Probleme der Gegenwart in eine spannende Handlung ein. Der Fußball steht dabei nicht im Mittelpunkt – er ist nur Mittel zum Zweck für geradezu unglaubliche Machenschaften, wie sie, wenngleich natürlich in viel kleinerem Stil, längst zur Realität geworden sind.
Ausgangspunkt ist die Sportanlage im »Eybacher Tal«, tief eingebettet in die Hänge der Schwäbischen Alb. Hier hat 1982 übrigens der Hamburger Sportverein eine peinliche Niederlage erlitten: In einem Pokalspiel verlor der Bundesligist mit 2:1 gegen den »kleinen« SC Geislingen. Seither haftet diesem Sportclub, der heute in der Landesliga spielt, der Ruf des »HSV-Killers« an.
Jürgen Klinsmann allerdings war damals schon nicht mehr daran beteiligt; zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits angefangen, die Karriereleiter zu erklimmen und spielte bei den Stuttgarter Kickers.
Welcher Killer nun ein Jahr vor der WM an dieser Wirkungsstätte sein Unwesen getrieben hat, bleibt lange Zeit rätselhaft. Ins Zwielicht gerät schließlich auch ein Unternehmer, der die niedrigen Lohnkosten in der Slowakei ausnutzen will, dorthin aber auch allerlei Beziehungen pflegt, die sich offenbar nicht nur aufs rein Geschäftliche beschränken.Für Kommissar Häberle stellt sich aber die Frage, wieso Politiker und einige Wirtschaftsbosse so großes Interesse an dem Mordfall im »Eybacher Tal« haben. Als plötzlich zwei weithin bekannte Sportfunktionäre ebenfalls sterben müssen, wird auch ein örtlicher Bundestagsabgeordneter, der ein gelernter Kriminalist ist, hellhörig.
Der Fall eskaliert, als eines Nachts Bundestrainer Jürgen Klinsmann beim Verlassen seiner früheren Lieblingskneipe verschwindet, in der er sich nach dem Confederations-Cup mit alten Freunden inkognito getroffen hatte. Plötzlich steht das kleine Städtchen Geislingen (33 Kilometer nördlich von Ulm) im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Fernsehanstalten berichten live, Medienvertreter aus der ganzen Republik belagern die Fußgängerzone.
Autor Bomm, selbst Journalist, zeichnet ein realistisches Szenario eines solchen Ereignisses. Wie immer, hat er sich von Kriminalisten beraten lassen, um einen derart außergewöhnlichen Fall wirklichkeitsnah darstellen zu können. Die Geschichte spielt zwischen den Machtzentren in Berlin und der scheinbar heilen Welt in der Provinz. Und es wird dabei deutlich, dass im Zeitalter der Globalisierung auch der ländliche Bereich nicht mehr von den Machenschaften international agierender Banden verschont bleibt.
Die Frage, die sich dem Leser stellt: Ist die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland deshalb in Gefahr?
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